141130_Siefer027

Familien- vs. Business-Aufstellungen

Mein Schwerpunkt liegt in beruflichen Aufstellungen (Business-Aufstellungen) – aber auch im Aufstellen persönlicher Anliegen von Klienten.

Ich freue mich immer über Gelegenheiten, im Rahmen unserer „Freitagsgruppe“ oder anlässlich von kollegialer Intervision und Supervision auch das „Familienstellen“ (oder die „inneren Aufstellungen“) zu pflegen, wo es das Mittel der Wahl ist.

Im „Familienstellen“ entfalten sich vor allem die Tiefenstrukturen der Seele (und darüber hinaus auch der kollektiven „Familienseele“). Demzufolge beeindruckt diese Arbeit auch immer wieder mit Aspekten von tiefer Liebe, von erfüllender und lähmender Bindung und Loyalität, von (oft dramatischer) Verstrickung und (übernommener) Schuld – und ihrer (vor allem emotionalen und affektiven) Lösung.

Die Wirkungsweise in Business-Kontexten ist dagegen vordergründig „anders“.

Da sie immer „größere“ Strukturen (eines größeren Systems oder seines Netzes von System – Umweltbeziehungen) umfasst, ist sie in gewisser Weise komplexer – v.a. vielschichtiger in den Stukturebenen – und hat eine größere gesellschaftliche Reichweite. Zudem fordert sie mehr Abstraktionsfähigkeit: denn das zeichnet Organisationen ja aus, dass sie Prozesse „beschreiben“ und „wiederholen“ können, zumeist ohne diese notwendigerweise an konkrete Personen zu binden. (Insofern überleben ja viele Organisationen auch die in ihnen temporär arbeitenden Menschen.)

Und natürlich geht es auch hier um Bindungen, z.B. an die Gründer, an Mentoren an partizipativen Prozessen, wie Innovationen, Reorganisationen, Erfindungen und Verfahren, deren Nichtbeachtung ihre Wirkungen auf die Nachfolgenden nicht verfehlt.

Neben konkreten funktionalen oder strukturellen Fragen eigenen sich Business-Aufstellungen auch, um einen ersten Einblick in verwirrende, mehrdeutige und vielschichtige Themen der Businesswelt zu nehmen, ohne die praktische „Lösung“ einer damit verbundenen Fragen anzustreben.

Man generiert hier oft eher Grundlagen für die Hypothesengewinnung (in der Organisationsanalyse, für Beratungsinterventionen) und beginnt danach mit der Strukturierung oder Ausarbeitung von Aufgabenstellungen.

Daneben sind manche Business-Formate – wie andere, soziometrische, Verfahren auch – zur Abbildung und Simulation in Weiterbildung und Trainings einsetzbar.

Business-Aufstellungen sind im Vergleich zum Familienstellen weniger emotional und dramatisch. Jedenfalls soweit man an strukturellen und organisationalen Vorgaben bleibt. Das ändert sich möglicherweise, sobald Bindungsaspekte berührt oder angesprochen werden – und davon gibt es mehr, als man sich im Alltagsbewusstsein eingestehen möchte.

Es beschränkt sich nicht auf Arbeitsbeziehungen mit Familienangehörigen und Lebenspartnern, sondern betrifft viele Bereiche der Berufsbiographie, wie etwa Ausbildungs- und Mentorenverhältnisse sowie Arbeitsbeziehungen, in denen über den einfachen Arbeitsvertrag hinaus rechtliche Bindungen oder intensive Sozialbeziehungen bestehen. Nicht zuletzt betrifft es neben Familienunternehmen auch alle Organisationen, in denen eine ausgesprochen „enge“ (eher symbiotische) Beziehungskultur bevorzugt wird.

Business-Aufstellungen lassen „technisch gesehen“ im Grunde genommen keinen Aspekt der Geschäftswelt außen vor: Das Spektrum reicht vom „Heimlichen Gewinn“ bei drohendem Scheitern eines Selbständigen, weil er mit dem „Pleitier“ der Familie (Großvater) loyal verbunden bleiben wollte – bis zum „Bauchgefühl“, dessen Veranschaulichung einem Unternehmer die Fehlinvestition in Millionenhöhe ersparte…

 

Mein Portfolio: auch bei XING