Die Neusiedler

Foto: Julia Schümann "Neusiedler" 2015
Foto: Julia Schümann
„Neusiedler“ 2015

Verpackung bzw. „Recycling“ der besonderen Art: Die Neusiedler im Maßstab 1:87 – ein Ausschnitt aus Modellbau-Landschaften.

Eine typische Siedlungsart im Deutschland der Vor- und Nachkriegszeit. „Spießbürgerlichkeit“ im „Weißabgleich“. Statt immer nur „Schwarzsehen“ wenn das Fremde (oder Ver-Fremdete) droht, unsere bisherige kleine Welt „auf den „Kopf zu stellen“.

Foto: Julia Schümann "Neusiedler" 2015
Foto: Julia Schümann
„Neusiedler“ 2015

Oder: Modellbau der 60er und 70er Jahre in neuem „Gewand“ – Christo und „Zero“ lassen grüßen. Das ansonsten Überindividuelle und das Überangepasste ist hier wie mit einem weissen Schleier überdeckt. Eine Art Schneelandschaft – aber kein „Deutsches Wintermärchen“: Das Verhüllende, die weisse Weste im Äusseren, versteckt das „Innere“ völlig. Es existieren keine Einblicke mehr; nur da wo noch nicht alles „dicht“ ist, am Neubau ist noch vieles offen und ungeschützt – und doch schon vom atmosphärischen Schleier der Nachbarschaft durchdrungen…
Nur die „Bäume“ sind „grün“, immerhin in der Natur – oder das was man dafür hält – zeigt sich die „Kultivierung“ – und auch die „Überformung“ der dort lebenden Menschen in der unübersehbaren „Ordnung“. Es ist also ziemlich „real“ – auch wenn keine Zäune existieren  – auch die Ausrichtung der Siedlung am Sonnenlauf  sowie der Bezug des Objektes zum Ort der Montage, beide haben übereinstimmende Himmelsrichtungen.

Foto: Julia Schümann "Neusiedler" 2015
Foto: Julia Schümann
„Neusiedler“ 2015

Und faktisch sind die „Modelle“ aus Anfang der 60er bis Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die „Kirche“ (oder die Kneipe) an der Ecke war da halt noch im Dorf – vielleicht ist sie inzwischen auch verlassen oder einer neuen Bestimmung als „event-location“ zugeführt… In der Welt der Kunst sicherlich, wenn auch nicht ohne Frage- und Ausrufe-Zeichen!

 

Ein paar Bemerkungen zum (assoziativen) Hintergrund:

Die Flüchtlinge aus dem ehemaligen „Deutschen Osten“ waren nach dem Krieg auch nicht so Willkommen. Im Rahmen des  „Reichsheimstätten-Gesetzes“ (ursprünglich 1920 für die Soldaten des 1. Weltkrieges initiiert) sollten dabei für Kriegsheimkehrer und -Vertriebene, vor allem für (kinderreiche) Familien, Möglichkeiten geschaffen werden, über Eigentum soziale Bindung an die neue Heimat herzustellen.

Oft mit Auflagen durch kommunale Satzungen verbunden (da diese zumeist die planungsrechtlichen „Ausgeber“ dieser Siedlungen waren) , sollten die „Siedler“ durch Tierhaltung und Nutzgärten die Ernährung der Eigentümer-Familien sicherstellen, Und zudem war es zeitweilig auch ein Mittel, durch entsprechende Eintragung ins Grundbuch Bodenspekulationen  vorzubeugen und so den gemeinwohl-orientierten Sinn lange aufrecht zu erhalten. Die „Ausgabe“ war mit Subventionen verbunden, zum Teil in Form von Steuer- und Abgaben- Erleichterungen, zum Teil (vor allem nach dem 2. Weltkrieg) in Form günstiger Kredite.

Im Kern also eine gute – vor allem gemeinwohl und integritätsbezogene – Idee, von der viele Menschen profitiert haben. Im Übrigen durchaus generationen-übergreifend: in vielen dieser Siedlungen wurde später an die Häuser angebaut und Grundstücke für einen Neubau geteilt, so dass entweder Kinder die Häuser übernahmen oder auf dem Grundstück der Eltern „nebenan“ oder dahinter selber wieder zu „Siedlern“ mit einem eigenen „Heim“ wurden…

Andere Grundstücksteilungen ermöglichten durch Teilverkauf Modernisierungen, für die ansonsten das Kapital gefehlt hätte, was nach Aufhebung der rechtlichen Bindung und mit wachsendem materiellen Wohlstand möglich wurde.

Biographische Anekdote und Bezug:

Das Eigenheim meiner Eltern wurde 1971 in einer solchen Siedlung nach einer Grundstücksteilung errichtet. Heiligenhaus-Hetterscheid ist eine dieser Siedlungen, wo es strassenweise eine Abwechslung von Alt- und Neubauten gibt.

2010 zogen wir nach Leichlingen – wie sich herausstellte in eine genauso „verfasste“ Siedlung, die hauptsächlich in den 50er und 60er Jahren errichtet wurde. – Wir sind also selbst „Neusiedler“. Oder um mit Rudolf Kunze zu sprechen: „Ich bin auch ein Vertriebener…“

 

Mein Portfolio: auch bei XING

 

Baustelle, in Kürze-Win K Ü  R   Z    E:
(wir arbeiten dran!)

 

Und natürlich ist die Anlehnung an den Modellbau auch nicht „ohne“ solchen vorstellbar: mehr dazu im showroom vor Ort bei Ihrem nächsten Besuch.

Lassen Sie sich einladen. Zur Ausstellung – ob Gartenkunst im Juni oder zu Malerei im November.